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Ruth Wunsch, Mitautorin meines Buches „Blinde-Schönheit“, geboren 1930 in Bielefeld, lebt heute in Hamburg.

Ruth Wunsch ist eine leidenschaftliche Autorin und veröffentlichte mehrere Bücher:



Gemeinsam mit Ruth Wunsch und Christa Zeidler führte ich am 19.03.2010 während der Buchmesse in Leipzig eine Lesung durch.
Die folgenden wunderschönen Tonaufnahmen mit Ruth Wunsch sind während dieser Lesung entstanden.

Auf dem Bildausschnitt sieht man Frau Heike Herrmann-Hofstetter
  und Frau Ruth Wunsch während der Lesung des Buches „Blinde-Schönheit“
  auf der Leipziger Buchmesse 2010. Die beiden Damen sitzen
  nebeneinander an einem Tisch.
  Frau Wunsch, deren Körper nach links ausgerichtet ist, sitzt auf
  einem Stuhl am rechten Tischende, sodass der Betrachter sie von der
  Seite sehen kann. Sie ist eine flotte ältere Dame mit weißem
  Kurzhaarschnitt. Sie trägt einen dunkelblauen Jeansanzug, aus der
  Jacke schimmert ein hellblaues T-Shirt. Lässig sitzt sie mit
  überkreuzten Füßen da. Sie wirkt sehr konzentriert, denn sie wartet
  gerade auf ihren Einsatz als Vortragende.
  Noch lauscht Frau Herrmann aber ganz entspannt ihrer anderen Sitznachbarin, die
  mittig am Tisch sitzt, hier im Bildausschnitt aber nicht zu sehen
  ist. Sie wendet dieser ihren Kopf zu. Ihr langes mittelblondes Haar
  hat sie hinter die Ohren geklemmt, sodass es sanft auf ihren Rücken
  fließt. Bekleidet ist sie mit dunkler Jeans und einem eleganten
  roten Jackett, aus dem ein glänzend blaues Seidenhemd hervorlugt.
  Zur gleichen Zeit ist Frau Wunsch vollkommen auf sich konzentriert.
  Offensichtlich macht sie sich bereit für ihre Lesung. So hält sie
  schon den Anfang des Textstreifens mit Brailleschrift (der
  Punktschrift, mit deren Hilfe sie Texte mit dem Tastsinn ihrer Finger
  erlesen kann) in den Händen. Sehr sensibel ertastet sie mit den
  Fingerkuppen der rechten Hand bereits die ersten Wörter. Der
  lange Papierstreifen fällt wie eine Girlande locker auf den Boden, wo
  das Papier sich in Ringen sammelt, während das Ende der Papierschlange
  leicht gekräuselt über ihrem linken Bein liegt. Gleich beginnt ihr
  Vortrag und dann wird Frau Wunsch die lange Papierschlange sanft
  abtastend durch ihre Hände gleiten lassen und ihren persönlichen Text
  zum Thema Schönheit dem interessierten Publikum vorlesen. Ruth Wunsch und im Hintergrund Heike Herrmann-Hofstetter während der Lesung 2010 in Leipzig

Meine Ich-Bin-Worte (MP3)
Ich, das fünfte Element (MP3)
Magische Momente (MP3)

Der Text von Ruth Wunsch, „Die Verabredung“, den Sie innerhalb meines Hör- und Kindelbuches "Blinde-Schönheit" veröffentlichte, kam bei Lesungen immer ganz besonders gut an. Es ist eine sehr liebevolle und einfühlsame Kurzgeschichte und die Damen flossen einfach so dahin.

Die Verabredung

Ich hatte mich verabredet, mit ihm, mit Johannes, sein Name gefiel mir und er gefiel mir auch.
Wir wollten in die Oper gehen, Mozarts Zauberflöte. Große Oper, große Garderobe? Warum nicht.
Ich zog mein Schwarzes an, dreiviertellang und ärmellos, dazu einen Boleroschal aus grauer Seide. Das Grau des Schals soll mit dem Grau meiner Haare übereinstimmen.Das Grau meiner Haare, komisch, zum ersten Mal dachte ich darüber nach, dass ich mich nie mit grauen Haaren gesehen habe, die Blindheit macht es möglich. Als ich 38 Jahre alt war, bis dahin konnte ich verwertbar sehen, war meine Haarfarbe dunkelbraun und ich trug einen Kurzhaarschnitt. Und wie sah ich damals aus? Ganz hübsch, schmales Gesicht mit Grübchen, gute Figur, Kleidergröße 38, für meinen Mann war ich die Schönste und Liebste in der Welt, und ich bin es geblieben bis zu seinem Tod.
Auch die Fotos aus meiner Kinder- und Jugendzeit sind mir noch gegenwärtig, in meiner Kindergartenzeit hatte ich einen „Bubikopf“ mit einer großen Haarschleife, dann in den ersten Schuljahren trug ich sogenannte Rattenschwänzchen, als Backfisch hatte ich einen Mozartzopf, zusammengehalten von einer schwarzen Samtschleife, und dann die ersten Flirts, die ersten Rendezvous, scheu und schüchtern, mit großem Herzklopfen und doch so erwartungsvoll, holde 17 Jahre! Damals trug ich lange Korkenzieherlocken, ach, wie lange ist das alles her!? 50 oder 60 Jahre, und jetzt bin ich grau und weiß nicht, wie ich damit aussehe. Ich stehe vor dem Spiegel, aber der Spiegel ist blind. Wie sehe ich aus, bin ich schön? Ich fühle mich wohl, also bin ich schön. Ich fühle mich sehr wohl, bin ich verliebt? Hört denn das nie auf, das mit den Gefühlen, das mit dem Herzklopfen, das mit dem Denken an ihn, zärtlich und heimlich wie im Traum? Ich glaube, das alles hört nie auf, so alt wir auch werden, weil unsere Gefühle nicht altern. Sie bleiben jung und ich finde das wunderschön. Ich fühle mich, also bin ich. Und ich lebe und liebe!

Ruth Wunsch

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© Heike Herrmann-Hofstetter 2007 - 2021